Amal baut aus Holzklötzen einen Turm. Auf dem Weg zum Regal stößt Len versehentlich an den Tisch; der Turm fällt um. Len kann benennen, was passiert ist, und Hilfe anbieten. Ob Amal gemeinsam neu bauen möchte, allein weitermachen oder erst einmal eine Pause braucht, entscheidet Amal mit. Die Geschichte zeigt: Eine passende Wiedergutmachung beginnt damit, die Folgen wahrzunehmen und mit der betroffenen Person zu besprechen, was jetzt hilfreich wäre.
Die Szene mit zwei Figuren spielen
Für die Geschichte reichen einige große Bausteine, zwei Spielfiguren und eine freie Unterlage. Die Figuren heißen hier Amal und Len; Kinder können andere Namen wählen. Eine erwachsene Person bereitet den Platz so vor, dass keine schweren oder ungeeigneten Teile herabfallen können. Die Geschichte ist erfunden und muss keinen aktuellen Streit zwischen den Beteiligten nachstellen.
Amal baut einen Turm. Len möchte am Tisch vorbeigehen und berührt ihn dabei. Der Turm fällt um, die Bausteine liegen auf der Unterlage. Halten Sie die Geschichte an dieser Stelle an und fragen Sie: „Was ist gerade passiert?“ Eine Antwort kann durch Worte, Zeigen oder Nachspielen kommen. Die sichtbare Handlung lautet: Der Tisch wurde berührt, und der Turm fiel um.
Fragen Sie danach, was Amal und Len nun brauchen könnten. Vielleicht möchte Amal zunächst die verstreuten Steine ansehen; vielleicht braucht Len Hilfe dabei, den Vorfall zu benennen. Niemand muss sofort wissen, wie sich die andere Figur fühlt. Die spielende Person kann eine Möglichkeit vorschlagen, aber die Geschichte sollte daraus keine sichere Aussage machen, wenn die Figur selbst noch nichts gesagt oder gezeigt hat.
Wenn ein Kind den Turm nicht umwerfen möchte, kann es die Szene beschreiben oder ein Bild verwenden. Ein reales Bauwerk einer anderen Person sollte nicht ohne deren Einverständnis für die Übung zerstört werden. Die fiktiven Figuren erlauben es, über eine schwierige Situation zu sprechen, ohne jemanden vorzuführen oder einen echten Konflikt künstlich herzustellen.
Zuerst den Vorfall beschreiben
Len könnte sagen: „Ich bin an den Tisch gestoßen. Dein Turm ist umgefallen.“ Diese Aussage benennt eine eigene Handlung und eine sichtbare Folge. „Ich bin immer ungeschickt“ wäre dagegen ein Urteil über die ganze Person; es hilft Amal wenig dabei, die Situation zu verstehen. Auch „Du hast den Turm falsch gebaut“ würde die sichtbare Folge auf Amal abwälzen, ohne den Stoß anzusprechen.
Absicht und Wirkung können auseinanderfallen. Len wollte den Turm in dieser Geschichte nicht umstoßen; trotzdem ist er umgefallen. Es ist möglich, beides zu sagen: „Das war keine Absicht. Ich sehe, dass dein Turm umgefallen ist.“ Die Erklärung der Absicht muss nicht die Stelle einnehmen, an der Amal über die Folgen sprechen kann.
Fragen Sie das Kind, ob die Geschichte eine andere Deutung zulässt. Vielleicht hat nur eine Figur gesehen, wie der Tisch bewegt wurde; vielleicht ist unklar, ob der Stoß den Turm tatsächlich ausgelöst hat. In unserem Beispiel legen die Spielenden fest, dass der Stoß vorausging und der Turm dadurch fiel. In einem echten Vorfall sollte ein Erwachsener nicht mehr behaupten, als er selbst beobachtet hat.
Das Benennen muss kein langes Schuldbekenntnis sein. Ein kurzer Satz, eine Geste oder das Zeigen auf die umgefallenen Steine kann ein Anfang sein. Wenn eine Figur gerade aufgeregt ist, kann die erwachsene Person helfen, die Situation ruhig zu beschreiben. Für ein Gespräch über die nächsten Schritte braucht es keine perfekte Formulierung.
Amal darf erzählen, was verloren ging
Ein Turm besteht nicht nur aus einer Anzahl von Steinen. Vielleicht hatte Amal eine bestimmte Reihenfolge gewählt oder wollte ihn später einer anderen Person zeigen. Fragen Sie in der Geschichte: „Was war Amal an dem Turm wichtig?“ Das Kind kann eine Idee erfinden oder die Figur antworten lassen. Die Antwort erklärt, warum ein schneller Neuaufbau nicht unbedingt dasselbe Ergebnis liefert.
Amal könnte sagen: „Ich wollte, dass die roten Steine oben liegen.“ Dann kann Len anbieten, die roten Steine zu suchen. Amal könnte aber auch antworten: „Ich weiß nicht mehr, wie er aussah.“ In diesem Fall lässt sich der vorherige Zustand möglicherweise nicht genau wiederherstellen. Eine Hilfe bleibt trotzdem möglich, wenn Amal sie möchte; sie sollte nur nicht als vollständige Rückkehr zum alten Turm versprochen werden.
Vielleicht ist Amal gerade verärgert oder traurig und möchte noch nicht sprechen. Len kann kurz warten und später fragen, statt sofort nach einer Lösung zu drängen. Eine erwachsene Person kann beide begleiten: „Amal möchte einen Moment Ruhe. Len, du kannst hier warten oder die Steine liegen lassen, bis wir wissen, was Amal möchte.“ Die Pause ist keine Strafe, sondern schafft Raum für eine Entscheidung.
Amal muss die Gefühle nicht in einem bestimmten Satz ausdrücken. Zeigen, weggehen, schweigen oder eine vertraute Kommunikationshilfe nutzen können Hinweise sein. Fragen Sie nach, bevor Sie eine Geste sicher deuten. Die betroffene Figur soll nicht nur zustimmen dürfen, sondern auch eine vorgeschlagene Hilfe ablehnen oder eine andere Form wählen können.

Hilfe anbieten, bevor sie geleistet wird
Len könnte fragen: „Möchtest du, dass ich dir beim Aufbauen helfe?“ Wenn Amal ja sagt, lässt sich die Hilfe genauer vereinbaren. Soll Len die Steine sortieren, einzelne Steine reichen oder selbst mitbauen? Eine konkrete Absprache verhindert, dass Len aus gutem Willen einen anderen Turm baut und damit erneut über Amals Werk entscheidet.
Wenn Amal allein bauen möchte, kann Len fragen, ob das Bereitlegen der Steine trotzdem hilfreich wäre. Ein Nein ist ebenfalls möglich. Len kann dann die Steine in Ruhe lassen und später nach einem anderen passenden Beitrag fragen. Wiedergutmachung ist keine Erlaubnis, die Sachen oder Entscheidungen einer anderen Person ohne Nachfrage zu übernehmen.
Falls Amal vorschlägt, gemeinsam neu anzufangen, teilen beide die Aufgaben nach Wunsch auf. Len könnte etwa die verstreuten Klötze in die Nähe legen, während Amal den ersten Stein auswählt. Nach einigen Schritten kann Amal sagen, ob die Unterstützung weiterhin passt. Eine einmalige Zustimmung zu einer Handlung bedeutet nicht automatisch Zustimmung zu jeder weiteren Veränderung.
Die Geschichte darf auch mit einer unvollständigen Lösung enden. Vielleicht fehlt ein Stein, oder die Spielzeit ist vorbei. Beide können vereinbaren, den Platz freizuhalten und später weiterzubauen, sofern sie das möchten und es möglich ist. Eine Entschuldigung oder ein Hilfsangebot löscht die Folgen nicht sofort; es kann aber ein Anfang sein, Verantwortung für den nächsten Schritt zu übernehmen.
Entschuldigung und Handlung unterscheiden
Len kann sagen: „Es tut mir leid, dass ich gegen den Tisch gestoßen bin.“ Eine Entschuldigung benennt hier den Vorfall und drückt Bedauern aus. Sie sagt allein noch nicht, welche Hilfe Amal möchte. Umgekehrt kann das Aufheben der Steine praktisch helfen, ohne jede Wirkung des Vorfalls ungeschehen zu machen. Worte und Handlungen können sich ergänzen, ersetzen einander aber nicht in jeder Situation.
Ein erzwungenes „Entschuldigung“ kann die Szene äußerlich beenden, ohne dass die Beteiligten verstanden haben, was passiert ist. Ein Erwachsener kann einen möglichen Satz anbieten oder selbst vorleben, wie man den Vorfall benennt. Len darf auch zeigen, dass Hilfe angeboten wird, oder um Zeit bitten. Die Verständigung muss zur Person und zum Moment passen.
Amal ist nicht verpflichtet, sofort „schon gut“ zu sagen oder eine Umarmung anzunehmen. Vielleicht braucht Amal Zeit, ist mit dem Wiederaufbau beschäftigt oder möchte Abstand. Vergebung lässt sich weder durch ein bestimmtes Wort noch durch eine Reparatur erzwingen. Der Erwachsene kann anerkennen, dass ein Angebot und eine Annahme zwei verschiedene Entscheidungen sind.
Auch Len braucht keine endlose öffentliche Entschuldigung. Nachdem der Vorfall benannt und ein passender nächster Schritt vereinbart wurde, sollte die Geschichte weitergehen können. Wiederholtes Vorhalten oder ein Etikett wie „der Zerstörer“ hilft nicht beim Verstehen der konkreten Handlung. Verantwortung bezieht sich auf das, was geschehen ist und was jetzt möglich ist.
Drei mögliche Fortsetzungen derselben Szene
Im ersten Ende möchte Amal den Turm selbst bauen. Len fragt, ob es helfen würde, die Steine nach Farben zu sortieren. Amal stimmt zu und zeigt, wo die roten Steine liegen sollen. Len sortiert, Amal baut. Am Ende steht ein neuer Turm; ob er dem alten gleicht, entscheiden die Spielenden anhand dessen, was Amal darüber erzählt hat.
Im zweiten Ende lehnt Amal Hilfe zunächst ab. Len lässt die Steine liegen und wartet mit einem Erwachsenen in etwas Abstand. Später sagt Amal vielleicht, dass ein gemeinsamer Aufbau doch angenehm wäre, oder entscheidet sich für ein anderes Spiel. Beide Verläufe sind möglich. Das Ende ist nicht deshalb misslungen, weil kein sofortiger Neuaufbau stattfindet.
Im dritten Ende fehlt ein Baustein, der unter ein Regal gerollt ist. Die Kinder holen einen Erwachsenen hinzu, statt das schwere Möbelstück selbst zu verschieben. Der Erwachsene prüft, ob der Stein sicher erreichbar ist. Falls nicht, kann er später helfen oder mit Amal über eine Alternative sprechen. Die Sicherheit der Beteiligten steht vor dem Wunsch, den ursprünglichen Zustand sofort wiederherzustellen.
Vergleichen Sie die Enden anhand konkreter Fragen: Wer hat nachgefragt? Welche Hilfe wurde angeboten? Wer hat entschieden, ob sie passt? Die Szene lässt mehrere Lösungen zu. Eine einzige Handlung wie „Steine aufheben“ ist kein universelles Rezept; sie kann hilfreich sein, wenn die betroffene Person sie möchte und die Situation es erlaubt.
Was ein Erwachsener beitragen kann
Ein Erwachsener kann zunächst dafür sorgen, dass niemand durch herumliegende oder ungeeignete Teile gefährdet wird. Danach hilft er, den Ablauf in einfachen Worten zu ordnen: „Der Tisch wurde angestoßen und der Turm ist umgefallen.“ Hat er den Stoß nicht gesehen, kann er fragen, was die Beteiligten beobachtet haben. Er muss nicht sofort entscheiden, welche Person schuld ist, um Sicherheit und Gespräch zu ermöglichen.
Wenn beide gleichzeitig sprechen oder ein Kind Zeit zum Antworten braucht, kann der Erwachsene nacheinander zuhören. Er kann fragen: „Was möchtest du zuerst erzählen?“ und die Antwort zusammenfassen, ohne sie auszuschmücken. Ein Kind, das anders kommuniziert, braucht ebenfalls einen erreichbaren Weg, Zustimmung, Ablehnung oder eine Bitte auszudrücken.
Der Erwachsene sollte nicht allein festlegen, dass Amal sofort neu bauen und Len helfen muss. Er kann Vorschläge machen, aber die betroffene Person nach ihrer Vorstellung fragen. Zugleich kann er Grenzen setzen, wenn eine gewünschte Handlung unsicher ist oder anderen schadet. Die Spielenden erfahren so, dass Rücksicht und praktische Grenzen gemeinsam berücksichtigt werden.
Erwachsene machen selbst Fehler. Stößt ein Erwachsener an ein Bauwerk, kann er die eigene Handlung benennen und fragen, ob Unterstützung erwünscht ist. Dabei sollte er nicht verlangen, dass das Kind ihn sofort beruhigt. Ein alltägliches Vorbild ist oft verständlicher als eine lange Belehrung über Verantwortung.

Wenn der Turm nicht genau wiederhergestellt werden kann
Ein Turm, der nur aus wenigen gleichartigen Steinen besteht, lässt sich möglicherweise leicht nachbauen. Bei einem besonderen Bauwerk wissen die Beteiligten vielleicht nicht mehr, welcher Stein wo lag. Ein Foto oder eine Zeichnung kann helfen, sofern eines vorhanden ist und Amal es verwenden möchte. Ohne Vorlage ist ein neuer Turm eine neue Lösung und nicht automatisch eine genaue Wiederherstellung.
Auch ein beschädigter Gegenstand kann Grenzen setzen. Wenn ein Baustein gebrochen ist, sollte eine erwachsene Person prüfen, ob er noch sicher ist. Ersatz oder Reparatur hängen davon ab, was verfügbar und angemessen ist. Versprechen Sie keine sofortige Lösung, wenn noch unklar ist, was tatsächlich möglich ist.
Manchmal war nicht das Material das Wichtigste, sondern die Zeit oder die Idee, die in einem Bauwerk steckte. Diese Erfahrung lässt sich nicht einfach zurückgeben. Eine passende Antwort kann darin bestehen, zuzuhören, einen neuen Versuch zu unterstützen oder den Spielplatz für später freizuhalten. Welche Handlung sinnvoll ist, hängt davon ab, was die betroffene Person möchte und was in der Situation möglich ist.
Das Kind, das einen Fehler gemacht hat, darf ebenfalls Unterstützung benötigen. Ein Erwachsener kann beim Fragen helfen oder gemeinsam nach Materialien suchen. Die Hilfe sollte Verantwortung nicht abnehmen: Len kann weiterhin zeigen oder sagen, was angeboten wird. Gleichzeitig muss niemand ein Problem allein lösen, das die eigenen Möglichkeiten übersteigt.
Eine kleine Veränderung für das nächste Mal
Nachdem Amal und Len über den umgefallenen Turm gesprochen haben, können sie überlegen, ob sich der Platz verändern lässt. Vielleicht steht der Tisch mitten im Durchgang. Ein anderer Standort oder etwas mehr Abstand zum Regal könnte verhindern, dass jemand erneut dagegenstößt. Fragen Sie Amal, bevor ihr Bauwerk verschoben wird, und prüfen Sie, ob der neue Platz tatsächlich nutzbar ist.
Eine Vereinbarung sollte konkret und ausführbar sein. „Wir schauen beim Vorbeigehen auf den Tisch und lassen hier einen Durchgang frei“ beschreibt eine beobachtbare Handlung. „Len darf nie wieder einen Fehler machen“ wäre weder realistisch noch hilfreich. Man kann Risiken verringern, aber nicht jede unbeabsichtigte Bewegung für immer ausschließen.
Wenn der Turm an einem sicheren Ort stehen bleiben soll, können die Beteiligten eine Markierung oder eine Absprache mit anderen Spielenden wählen. Eine Markierung erklärt aber nicht von selbst, wem das Bauwerk gehört oder wie lange es stehen bleiben darf. Sprechen Sie diese Punkte mit den Personen ab, die den Raum nutzen.
Wenn trotz einer neuen Vereinbarung wieder etwas umfällt, beginnt die Prüfung erneut: Was ist passiert, braucht jemand Hilfe, und welche Änderung ist jetzt sinnvoll? Ein erneuter Vorfall beweist nicht automatisch, dass die erste Absprache absichtlich missachtet wurde. Vielleicht war der Platz weiterhin zu eng oder eine beteiligte Person kannte die Vereinbarung nicht.
Eine Geschichte betrachten statt einen echten Streit nachstellen
Die Figuren ermöglichen Abstand. Das Kind kann für Len sprechen, Amal eine Antwort geben oder nur zusehen. Fragen wie „Was könnte Amal möchten?“ laden zu Möglichkeiten ein, ohne dem Kind ein eigenes Erlebnis abzuverlangen. Eine Figur darf in der Geschichte auch schweigen; dann können die anderen Beteiligten überlegen, wie sie nach einer Pause erneut fragen würden.
Wenn das Kind einen tatsächlichen Vorfall erzählt, hören Sie zu, ohne daraus sofort eine öffentliche Aufführung zu machen. Betroffene Personen sollten nicht gegen ihren Willen dargestellt oder vor anderen befragt werden. Eine vertrauliche Unterhaltung oder Unterstützung durch eine zuständige erwachsene Person kann passender sein als eine Gruppengeschichte.
Nicht jeder Konflikt ist ein kleines Versehen. Wiederholtes absichtliches Beschädigen, Angst oder Verletzungen verlangen eine sorgfältige Reaktion durch verantwortliche Erwachsene. Ein Spiel mit Bausteinen ersetzt keine sichere Klärung einer solchen Situation. Die betroffene Person soll nicht zur Versöhnung gedrängt werden, damit die Geschichte ein harmonisches Ende hat.
Das Kind kann auch ein Ende erfinden, in dem niemand sofort eine Lösung kennt. Amal sagt vielleicht: „Ich möchte erst überlegen.“ Len antwortet: „Ich bin hier, wenn du Hilfe möchtest.“ Später kann die Geschichte fortgesetzt werden. Dieses Ende zeigt eine konkrete Grenze und eine verfügbare Möglichkeit, ohne eine bestimmte Gefühlsreaktion vorzuschreiben.
Wenn die Beteiligten Verschiedenes möchten
Amal möchte vielleicht sofort weiterspielen, während Len sich erst beruhigen muss. Eine Lösung kann vorsehen, dass Amal zunächst einen Teil allein baut und Len später fragt, ob Unterstützung noch erwünscht ist. Beide Bedürfnisse dürfen benannt werden. Len darf eine Pause brauchen; Amal muss nicht warten, bis Len bereit ist, um über das eigene Bauwerk zu entscheiden.
Umgekehrt könnte Len sofort helfen wollen, während Amal Abstand braucht. Dann kann der Erwachsene Len einen konkreten nächsten Schritt anbieten: „Lass die Steine zunächst an ihrem Platz und frag später noch einmal.“ Beschäftigung an einem anderen Ort kann die Wartezeit erleichtern, solange sie nicht als Strafe dargestellt wird und Amal den gewünschten Raum erhält.
Wenn beide gleichzeitig unterschiedliche Lösungen vorschlagen, lassen Sie sie die Vorschläge einzeln zeigen. Vielleicht möchte Len die Steine in die Kiste räumen, während Amal sie für den Wiederaufbau braucht. Der Unterschied wird sichtbar, wenn Amal erklärt oder zeigt, wofür die Steine gerade gebraucht werden. Danach kann Len entscheiden, welche angebotene Hilfe dazu passt.
Eine Einigung muss nicht bedeuten, dass jede Person genau dasselbe empfindet. Amal kann den neuen Turm mögen und trotzdem über den Verlust des alten traurig sein. Len kann froh sein, geholfen zu haben, und sich gleichzeitig über den eigenen Stoß ärgern. Die Geschichte muss diese Gefühle nicht für die Figuren festlegen; sie kann Raum für unterschiedliche Reaktionen lassen.
Mit Sprache, Bildern oder Handlungen antworten
Für die Geschichte können einfache Karten helfen: eine für „Hilfe anbieten“, eine für „warten“ und eine für „allein weitermachen“. Erklären Sie vor dem Spiel, welche Bedeutung die Beteiligten den Bildern geben. Amal kann eine Karte auswählen oder auf eine Figur zeigen. Die Karten sollen Wahlmöglichkeiten sichtbar machen, nicht Zustimmung erzwingen oder eine vollständige Gefühlslage aus einem Symbol ableiten.
Ein Kind kann eine Bitte auch vormachen: Es legt einen Stein neben Len oder zeigt auf den Platz, an dem es Unterstützung möchte. Der Partner kann nachfragen, ob er die Handlung richtig verstanden hat. Ein vertrautes Kommunikationsgerät kann Wörter wie „helfen“, „stopp“ oder „später“ bereithalten. Warten Sie auf die Antwort, bevor Sie die Szene fortsetzen.
Einige Kinder möchten eine Geschichte lieber zeichnen als vorspielen. Drei Bilder können zeigen: den stehenden Turm, die umgefallenen Steine und ein angebotenes Hilfsangebot. Ein viertes Bild könnte Amals Entscheidung zeigen. Wenn das Angebot abgelehnt wurde, muss der letzte Rahmen keinen fertigen Turm enthalten. Das Bild hält eine Entscheidung fest, nicht die Pflicht zu einem bestimmten Ausgang.
Fragen Sie eine Person, die die Szene nicht gesehen hat, was sie aus dem Bild versteht. Vielleicht ist zu erkennen, dass der Turm fiel, aber nicht, ob Amal Hilfe wollte. Die Autoren können eine Sprechblase oder eine mündliche Erklärung ergänzen. Zeigen Sie das Bild nur mit ihrem Einverständnis weiter, besonders wenn es auf einem echten Erlebnis beruht.
Was sich für ein nächstes Gespräch beobachten lässt
Eine kurze Notiz kann die sichtbare Handlung und die Unterstützung beschreiben: „Nach der Frage der erwachsenen Person zeigte das Kind eine Karte für Warten; der Partner ließ die Steine liegen.“ Sie sagt mehr über die konkrete Situation als eine allgemeine Zuschreibung wie „kann Konflikte lösen“. Eine Beobachtung ist keine vollständige Beurteilung sozialer Fähigkeiten.
Notieren Sie auch, ob die Figuren eine Wahl hatten und ob das Angebot angenommen wurde. „Len bot an, Steine zu sortieren; Amal wählte den Wiederaufbau allein“ hält zwei verschiedene Handlungen fest. Weitere Beispiele für eine konkrete Beobachtung können helfen, den Kontext und die verfügbare Unterstützung zu dokumentieren.
Beim nächsten Spiel muss die Frage nicht schwieriger werden. Sie können dieselbe Szene erneut zeigen und diesmal untersuchen, welche Information Len vor dem Helfen braucht. Oder das Kind wählt ein anderes, erfundenes Missgeschick. Entscheidend ist, dass die Geschichte nachvollziehbar bleibt und beide Figuren eine verständliche Möglichkeit zum Handeln haben.
Wenn Len nicht weiß, wie eine Frage gestellt werden kann, darf ein Erwachsener bei der Formulierung helfen: „Möchtest du fragen, ob Amal die Steine jetzt braucht?“ Len kann zustimmen, anders fragen oder eine Karte zeigen. Danach wartet der Erwachsene auf Amals Antwort. Eine solche Unterstützung macht das Angebot verständlich, ohne die Entscheidung der betroffenen Person vorwegzunehmen.
Abschluss der Turmgeschichte
Am Ende können die Spielenden nacherzählen oder zeigen: Len stieß an den Tisch, der Turm fiel, und Amal entschied mit, was danach geschah. Vielleicht wurde gemeinsam gebaut, vielleicht wurde erst gewartet. Beide Enden passen zu einer Geschichte, in der ein Vorfall wahrgenommen und ein nächster Schritt mit der betroffenen Person abgestimmt wird.
Wer den Zusammenhang zwischen Eingeständnis und Wiedergutmachung erneut erkunden möchte, kann die Figuren später wieder hervorholen. Für heute reicht auch eine einzelne Frage: „Welche Hilfe wäre hier willkommen?“ Eine ehrliche Antwort kann ja, nein oder „noch nicht“ lauten.
Hilfreiche Antworten
Muss Amal den Turm gemeinsam mit Len wieder aufbauen?
Nein. Amal kann Hilfe annehmen, allein weiterbauen oder zunächst eine Pause möchten. Ein Angebot sollte zur Situation und zur Entscheidung der betroffenen Person passen.
Reicht eine Entschuldigung immer aus?
Eine Entschuldigung kann Bedauern ausdrücken. Welche praktische Handlung hilfreich ist, lässt sich gesondert besprechen; nicht jede Folge kann vollständig rückgängig gemacht werden.
Was tun, wenn ein Baustein schwer erreichbar oder beschädigt ist?
Eine erwachsene Person sollte prüfen, was sicher möglich ist. Kinder müssen weder schwere Möbel selbst verschieben noch unsichere Teile benutzen.
Kann das Kind die Geschichte ohne Sprechen spielen?
Ja. Es kann Figuren bewegen, zeigen, Bildkarten oder ein vertrautes Kommunikationsmittel verwenden. Wichtig ist, dass Zustimmung und Ablehnung verständlich ausgedrückt werden können.



