Ein roter Becher steht links vom Teller, ein blauer rechts davon. Solange ein Kind und eine erwachsene Person nebeneinandersitzen und in dieselbe Richtung schauen, können sie diese Anordnung gemeinsam betrachten. Setzen sie sich gegenüber, zeigt sich eine neue Frage: Von wessen Platz aus ist der rote Becher links? Mit einfachen Gegenständen lässt sich entdecken, warum eine Richtungsangabe einen Bezug braucht. Die folgenden Ideen beginnen mit einer gemeinsamen Blickrichtung und lassen Raum für Bewegung, Sprache, andere Kommunikationsformen und Pausen.
Warum der Blickpunkt wichtig ist
Links und rechts sind keine Eigenschaften, die ein Gegenstand für immer besitzt. Ein Becher kann vom Platz am Tisch aus links vom Teller stehen. Wer auf die andere Tischseite geht und zum Teller blickt, sieht dieselben beiden Gegenstände in umgekehrter Seitenanordnung. Der Becher wurde nicht bewegt; verändert hat sich der Blickpunkt. Um Missverständnisse zu vermeiden, können Sie sagen: „Von meinem Platz aus steht der Becher links vom Teller.“
Im ersten Spiel sitzen alle nebeneinander oder so, dass sie dieselbe Richtung vor sich haben. Legen Sie einen Teller oder eine große Unterlage vor sich. Stellen Sie einen Becher deutlich auf die linke Seite des Tellers und einen anderen deutlich auf die rechte. Berühren oder zeigen Sie den Teller als Bezugspunkt. Die Frage „Welcher Becher steht links vom Teller?“ ist leichter zu verstehen als ein isoliertes „Wo ist links?“.
Das Wort „links“ kann sich auf eine Körperseite, eine Richtung im Raum oder eine Anordnung auf einem Blatt beziehen. Diese Verwendungen hängen zusammen, sind für ein Kind aber nicht automatisch dieselbe Aufgabe. Auf dem Tisch geht es zunächst darum, zwei Positionen von einem gemeinsam vereinbarten Platz aus zu beschreiben. Später können Sie ausprobieren, was beim Umdrehen geschieht, ohne alle Perspektiven auf einmal einzuführen.
Raumbegriffe gehören zu frühen mathematischen Erfahrungen. In den [Unterrichtsvorgaben aus Nordrhein-Westfalen](https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplan/319/zdbg_ge_m_uvorgaben_2022_06_08.pdf) werden unter anderem Lagebeziehungen wie „links von mir“ genannt. Das Familienspiel ist kein Test dieser Vorgaben. Es bietet eine Gelegenheit, eine konkrete Anordnung zu untersuchen und eine passende Beschreibung zu finden.
Die Formulierung „links vom Teller“ beschreibt in diesem Spiel die seitliche Lage aus der vereinbarten Sicht. „Die linke Seite des Tellers“ kann bei einem runden Teller dasselbe meinen, doch bei einer Figur oder einem Fahrzeug ist eine weitere Frage nötig: Geht es um die Seite der Figur oder um die Seite aus Sicht der Betrachtenden? Für den Anfang vermeiden Sie diese Mehrdeutigkeit und benennen lieber den eigenen Platz. Ein kurzer Hinweis auf die gemeinsame Blickrichtung macht die spätere Erklärung verständlicher.
Eine Seite am eigenen Körper finden
Setzen oder stellen Sie sich nebeneinander. Ein Kind kann beispielsweise eine Hand heben, während die erwachsene Person dieselbe Körperseite zeigt und benennt: „Das ist meine linke Hand. Du kannst deine linke Hand zeigen, wenn du möchtest.“ Die Körperseiten bleiben die des jeweiligen Menschen, auch wenn er sich umdreht. Das Kind muss keine bestimmte Bewegung ausführen: Es kann ebenso auf eine Hand zeigen oder eine andere vereinbarte Antwortform nutzen.
Ein weiches, gut sitzendes Band an einem Handgelenk kann als vorübergehende Erinnerung dienen, wenn das Kind es angenehm findet. Sagen Sie ausdrücklich, welche Seite markiert wurde, und nehmen Sie das Band ab, wenn es stört. Ein Band bestimmt nicht von selbst, was links bedeutet; es verbindet eine vereinbarte Seite mit einem sichtbaren oder fühlbaren Hinweis. Bei empfindlicher Haut, sensorischer Abneigung oder fehlender Möglichkeit, ein Band zu tragen, wählen Sie eine andere Unterstützung.
Vermeiden Sie die Regel „rechts ist die Hand, mit der man schreibt“. Nicht alle Kinder schreiben mit rechts, manche verwenden beide Hände oder nutzen andere Wege zum Schreiben. Auch ein Kind, das noch nicht schreibt, kann Seiten und Richtungen erkunden. Die bevorzugte Hand soll nicht verändert werden, um eine Richtungsaufgabe zu vereinfachen. Informationen zur Händigkeit bietet [kindergesundheit-info.de](https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/motorische-entwicklung/linkshaendigkeit/).
Körper unterscheiden sich. Eine Person kann einen Arm anders bewegen, eine Prothese nutzen oder eine Seite nicht auf dieselbe Weise zeigen wie eine andere. Fragen Sie das Kind, welche Bewegung oder welches Signal für es passt. Es darf etwa mit Blickrichtung, Sprache, einem Kommunikationsgerät oder durch die Wahl eines Gegenstandes antworten. Die Aufgabe betrifft die Orientierung, nicht die Ausführung einer vorgeschriebenen Körperbewegung.
Das Tischspiel mit Teller und zwei Bechern
Für eine erste Runde brauchen Sie einen sicheren, stabilen Teller und zwei gut unterscheidbare Becher oder andere große Gegenstände. Stellen Sie sie auf eine rutschfeste Unterlage. Wählen Sie Material ohne scharfe Kanten und achten Sie bei kleinen Kindern darauf, dass keine verschluckbaren Kleinteile verwendet werden. Der Teller liegt in der Mitte; die Becher stehen weit genug auseinander, damit sich ihre Positionen deutlich unterscheiden.
Beschreiben Sie die Ausgangslage: „Wir schauen beide auf den Teller. Dieser Becher steht links davon, dieser rechts.“ Lassen Sie dem Kind Zeit, die Gegenstände zu betrachten oder zu ertasten. Danach können Sie fragen: „Magst du den Becher rechts vom Teller antippen?“ Eine Antwort durch Zeigen, Berühren oder Ansagen reicht. Sie müssen nicht prüfen, ob das Kind gleichzeitig die Farben und die Seiten benennen kann.
Nun tauschen Sie die Becher, während Teller und Sitzplätze gleich bleiben. Fragen Sie nicht sofort, welcher der „richtige“ Becher ist, sondern welche Farbe jetzt rechts vom Teller steht. Das Kind kann beobachten, dass die Seite des Raumes gleich bleibt, während ein anderer Gegenstand dort steht. Wenn die Farben nicht gut unterscheidbar sind, verwenden Sie etwa einen glatten Becher und einen mit einem gut befestigten, fühlbaren Ring.
Im nächsten Durchgang übernimmt das Kind die Regie: Es bittet Sie, einen Becher links oder rechts zu platzieren, oder zeigt auf den gewünschten Platz. Führen Sie die Anweisung aus und beschreiben Sie anschließend gemeinsam das Ergebnis. Wenn es anders aussieht als erwartet, können Sie den Becher umstellen und erklären, auf welche Seite Sie sich bezogen haben. Eine Korrektur ist eine Gelegenheit, die Vereinbarung zu klären, keine Bewertung der Person.
Zum Vergleichen können Sie die Gegenstände zunächst gemeinsam stehen lassen und lediglich die Frage ändern: „Was steht links vom Teller?“ und danach „Was steht rechts vom Teller?“ Erst anschließend wird ein Becher bewegt. So bleibt sichtbar, ob sich die Frage oder die tatsächliche Anordnung geändert hat. Wenn der Becher direkt vor dem Teller steht, ist er in dieser vereinfachten Anordnung nicht eindeutig links oder rechts davon. Wählen Sie für den Einstieg zwei klare Plätze und nutzen Sie den mittleren Platz erst für ein eigenes Gespräch.

Was beim Umdrehen geschieht
Lassen Sie Teller und Becher unverändert auf dem Tisch und gehen Sie gemeinsam auf die gegenüberliegende Seite. Schauen Sie jetzt wieder in dieselbe Richtung auf die Anordnung. Der Becher, der vorher aus Ihrer gemeinsamen Sicht links vom Teller stand, steht nun rechts davon. Prüfen Sie das am konkreten Aufbau, statt die Aussage nur auswendig zu lernen. Sie und das Kind können bei Bedarf mehrmals gemeinsam die Plätze wechseln.
Wichtig ist, dass sich die Blickrichtung tatsächlich geändert hat: Wer sich am selben Platz nur ein wenig zur Seite dreht, erhält nicht unbedingt dieselbe einfache Umkehrung wie beim Wechsel auf die gegenüberliegende Seite. Beschreiben Sie deshalb die Ausgangslage genau. Der Teller bleibt liegen, die Becher bleiben stehen, und beide Betrachtenden schauen von der anderen Seite auf sie. So ist nachvollziehbar, welche Veränderung zu der neuen Beschreibung geführt hat.
Die linke Hand des Kindes bleibt beim Drehen seine linke Hand. Ihre Richtung im Zimmer hat sich allerdings mit dem Körper verändert. Ein Kind kann deshalb zugleich sagen: „Das ist immer noch meine linke Hand“ und „Der Becher ist von hier aus rechts.“ Beide Aussagen passen zusammen. Mit einer großen Bewegung oder einer Zeichnung kann die erwachsene Person zeigen, welcher Körperteil und welcher Gegenstand jeweils gemeint ist.
Wer nicht auf die andere Tischseite wechseln kann oder möchte, kann den Aufbau stattdessen auf einem drehbaren Untergrund erkunden. Hierbei ändert sich allerdings die Orientierung des Aufbaus zum Betrachter, nicht dessen Standort. Sagen Sie das dazu: „Wir bleiben sitzen und drehen die Unterlage.“ Anschließend vergleichen Sie, wo die Becher relativ zum Teller aus der unveränderten Blickrichtung stehen.
Gegenübersitzen und zwei richtige Beschreibungen
Erst wenn die gemeinsame Blickrichtung vertraut ist und das Kind Interesse zeigt, können Sie sich gegenüber an den Tisch setzen. Stellen Sie einen Gegenstand deutlich neben den Teller. Die erwachsene Person beschreibt ihn aus ihrer Sicht und zeigt dabei auf ihren Platz: „Von hier aus steht er links.“ Das Kind kann von seinem Platz aus feststellen, dass derselbe Gegenstand rechts vom Teller erscheint. Keine Person muss ihre Beschreibung ändern, wenn beide ihren Bezugspunkt nennen.
Ein Papierpfeil vor jedem Sitzplatz kann zeigen, in welche Richtung die jeweilige Person schaut. Der Pfeil ist eine Hilfe zur Darstellung und kein Ersatz für den eigenen Blick. Achten Sie darauf, dass beide Pfeile tatsächlich aufeinander zu zeigen, wenn die Personen gegenüber sitzen. Bei schrägen Plätzen kann eine Seitenzuordnung weniger eindeutig wirken; setzen Sie sich für dieses Beispiel möglichst genau gegenüber.
Vermeiden Sie Aussagen wie „links ist immer dort, wo ich hinzeige“. Sie stimmen nur für die angegebene Perspektive. Fragen Sie stattdessen: „Meinst du links von deinem Platz oder von meinem?“ Auf diese Weise lernt das Kind, fehlende Angaben zu ergänzen. Ein Erwachsener darf ebenfalls nachfragen, wenn eine Wegbeschreibung unklar ist; Orientierung ist eine gemeinsame Verständigungsaufgabe.
Die Perspektive einer anderen Person einzunehmen kann anspruchsvoller sein als die eigene Seite zu benennen. Machen Sie daraus keinen Wettlauf und erwarten Sie nicht, dass ein Kind den Wechsel sofort ohne Gegenstände vollzieht. Der konkrete Platzwechsel, ein Foto der Anordnung von jedem Platz oder das gemeinsame Nachstellen können helfen. Wenn ein Foto verwendet wird, prüfen Sie, ob es gedreht oder gespiegelt angezeigt wird; sonst entsteht eine zusätzliche Fehlerquelle.
Ein Spiegel kann eine weitere, ganz andere Untersuchung anregen, ist aber für den Einstieg nicht notwendig. Im Spiegelbild sehen sich die Betrachtenden selbst; die Zuordnung der sichtbaren Seiten kann zunächst irritieren. Anstatt eine schnelle Regel über „vertauschte“ Körperseiten zu verlangen, lassen Sie das Kind eine eigene Bewegung beobachten und beschreiben. Vergleichen Sie danach mit der tatsächlichen Hand am eigenen Körper. Das Spiegelbild und eine gegenüberstehende Person sind unterschiedliche Situationen und sollten nicht als vollständig gleichgesetzt werden.
Ein Weg auf einem Blatt
Zeichnen Sie auf ein großes Blatt einen einfachen Weg mit einem Startpunkt und einer Abzweigung. Ein großer Pfeil am Start zeigt die vereinbarte Fahrtrichtung. Eine Figur oder ein Spielzeugbus fährt den Weg entlang; an der Abzweigung kann das Kind entscheiden, ob er aus seiner momentanen Fahrtrichtung nach links oder rechts abbiegt. Die Richtung des Busses ist hier der Bezugspunkt, nicht automatisch die Blickrichtung der Person am Tisch.
Zu Beginn zeigen sowohl Bus als auch betrachtende Personen zum oberen Blattrand. In dieser Anordnung fallen die linke Seite des Busses und die linke Seite aus Ihrer Sicht zusammen. Drehen Sie den Bus später um, kann seine linke Seite für Sie auf der anderen Seite liegen. Halten Sie an und fragen Sie: „Wo ist vorne am Bus? Von dort aus: Welche Abzweigung liegt links?“ Die Figur muss nicht sprechen; die Bewegung macht die gewählte Route sichtbar.
Verwenden Sie deutliche Kurven und ausreichend Platz zwischen den Wegen. Ein Kreuz mit vielen kleinen Straßen, Symbolen und Pfeilen kann die Aufgabe unnötig erschweren. Eine erwachsene Person kann die Figur bewegen, während das Kind die Richtung auf einer großen Karte auswählt oder mit einem vereinbarten Zeichen mitteilt. Wird eine falsche Abzweigung genommen, fahren Sie zum Ausgangspunkt zurück und betrachten Sie die Ausrichtung erneut.
Ein gezeichneter Weg ist ein Spielmodell und keine Verkehrsübung im Straßenraum. Er vermittelt nicht von allein, wann eine echte Straße sicher überquert werden kann. Für Wege draußen bleibt eine verantwortliche erwachsene Begleitung und die Beachtung der örtlichen Verkehrsregeln notwendig. Das Kind muss Richtungen nicht schnell benennen können, um im gemeinsamen Spiel mitzumachen.
Wählen Sie für den Papierweg eine Figur mit klar erkennbarer Vorderseite, etwa einen Bus mit deutlich markierter Windschutzscheibe. Bei einer symmetrischen runden Spielfigur lässt sich ihre Fahrtrichtung sonst nicht ablesen. Eine Karte mit Pfeil kann die Vorderseite zusätzlich kennzeichnen. Wenn die Figur rückwärts fährt, muss vereinbart werden, ob die Richtung der Bewegung oder die Vorderseite der Figur gemeint ist. Für das erste Spiel fährt der Bus deshalb vorwärts; kompliziertere Fälle bleiben eine freiwillige Erweiterung.
Links und rechts in Bildern und Büchern
Schlagen Sie ein Bilderbuch auf einer Seite mit wenigen deutlich erkennbaren Gegenständen auf. Sitzen Sie nebeneinander und zeigen Sie eine Figur in der Mitte: „Aus unserer Sicht liegt der Ball links von der Figur.“ Das Kind kann einen anderen Gegenstand auswählen und seine Lage beschreiben. Vermeiden Sie zunächst Fragen nach der linken Hand einer abgebildeten Person, die Ihnen entgegenblickt; das wäre ein zusätzlicher Perspektivwechsel.
Ein Gegenstand kann in einer Darstellung links von einem Haus und gleichzeitig rechts von einem Baum liegen. Entscheidend ist, welcher Gegenstand als Bezug genannt wird. Fragen Sie „Links wovon?“ und zeigen Sie auf die gemeinte Stelle. Die Wörter „links“ und „rechts“ ersetzen nicht den Namen des Bezugspunkts. Ein Wimmelbild mit vielen Figuren kann später interessant sein, wenn das Kind selbst die Szene auswählt.
Auf einer Seite können auch Leserichtung und räumliche Lage angesprochen werden, sie sind aber nicht identisch. Deutsch wird üblicherweise von links nach rechts geschrieben und gelesen; eine Familie kann daneben andere Sprachen mit anderen Schreibrichtungen verwenden. Die rechte Seite eines Bildes wird dadurch nicht zur „falschen“ Seite. Lassen Sie die Sprachkenntnisse der Familie in die Unterhaltung einfließen, ohne eine Sprache als Maßstab für die andere zu behandeln.
Digitale Bilder können gedreht oder gespiegelt sein. Wenn Sie ein eigenes Foto nutzen, vergleichen Sie ein auffälliges Merkmal mit der tatsächlichen Anordnung, bevor Sie daraus eine Richtungsfrage machen. Bei Unsicherheit genügt es, die Gegenstände erneut auf dem Tisch aufzubauen. Ein Bildschirm ist für die Übung nicht erforderlich; das Buch oder die realen Gegenstände bieten ebenso viele Gesprächsanlässe.

Hilfen wählen, ohne die Lösung vorzugeben
Das Kind darf zunächst auf ein Hilfsmittel schauen, bevor es antwortet. Ein fest vereinbarter Platz am Tisch, ein tastbarer Rand oder ein markiertes Handgelenk können Orientierung geben. Wenn Sie wissen möchten, ob die Anordnung verstanden wurde, halten Sie die übrigen Anforderungen gering: Fragen Sie nach nur einem Gegenstand und erwarten Sie keine vollständige Erklärung. Hilfe zu nutzen ist Teil der Teilnahme, nicht das Gegenteil von Lernen.
Eine erwachsene Person kann auch selbst die Hände ruhig an die Tischkante legen und den eigenen Bezug benennen. Greifen Sie nicht ungefragt nach der Hand des Kindes und bewegen Sie sie nicht in die gewünschte Richtung. Fragen Sie, ob eine Unterstützung erwünscht ist, und akzeptieren Sie ein Nein. Bei gemeinsamem Zeigen kann das Kind entscheiden, ob die erwachsene Person neben ihm bleibt oder den Aufbau aus größerer Entfernung beschreibt.
Wenn Sehen, Hören oder Feinmotorik die Aufgabe beeinflussen, verändern Sie das Material passend: Gegenstände mit gut unterscheidbaren Oberflächen, eine klare mündliche Beschreibung, Gebärden oder ein Kommunikationsgerät können helfen. Die konkrete Wahl hängt von den Vorlieben und Möglichkeiten des Kindes ab. Eine taktile Markierung kann eine Seite kennzeichnen; sie vermittelt aber nicht automatisch, welche Blickrichtung eine andere Person hat. Auch diese Beziehung muss gemeinsam geklärt werden.
Wird eine Seite regelmäßig verwechselt, kann ein vertrauter Hinweis nützlich sein, aber eine einzelne Spielsituation sagt nichts Sicheres über die Entwicklung insgesamt aus. Bei anhaltenden Fragen zur Sehfähigkeit, Bewegung oder Kommunikation können Eltern eine geeignete Fachperson ansprechen. Ein Spiel mit Bechern ist weder ein diagnostisches Verfahren noch ein Ersatz für individuelle Unterstützung.
Falls der Tisch für das Kind schlecht erreichbar ist, kann dieselbe Anordnung auf einem Brett in passender Höhe oder auf einem Tablett aufgebaut werden. Achten Sie darauf, dass die Gegenstände beim Bewegen nicht herunterfallen. Die erwachsene Person kann das Brett stabil halten, während das Kind den Platz auswählt.
Wenn die Antworten unterschiedlich ausfallen
Fragen Sie zuerst, ob beide dieselbe Anordnung und denselben Bezugspunkt betrachten. Vielleicht saß die erwachsene Person beim Erklären leicht seitlich, oder das Kind bezog „rechts“ auf den Becher statt auf den Teller. Stellen Sie sich nebeneinander, zeigen Sie auf den Bezugspunkt und beschreiben Sie die Szene noch einmal. Ändern Sie nicht gleichzeitig die Gegenstände, die Sitzplätze und die Frage; sonst wird unklar, was die Verständigung erleichtert hat.
Achten Sie darauf, ob das Kind eine Position zeigt, aber ein anderes Wort benutzt, oder ob es bereits beim Zeigen unsicher ist. Das sind unterschiedliche Beobachtungen. Im ersten Fall können Sie die gezeigte Seite ruhig benennen. Im zweiten kann ein größerer Abstand zwischen den Gegenständen helfen. Drängen Sie nicht auf eine sprachliche Wiederholung, wenn eine Geste die Absicht bereits deutlich macht.
Wenn das Kind die Aufgabe interessant findet, darf es selbst einen Irrweg erfinden: Es stellt den Becher auf eine Seite und fragt, wie diese Seite von jedem Platz aus heißt. So kann es überprüfen, ob Erwachsene ihren Bezug ebenfalls klar benennen. Niemand muss Fehler zählen. Bleibt die Szene schwer verständlich, kehren Sie zur gemeinsamen Blickrichtung zurück und verschieben den Perspektivwechsel auf einen anderen Tag.
Müdigkeit, Hunger, Lärm oder ungewohnte Materialien können die Beteiligung beeinflussen. Wer aussteigen möchte, darf das tun. Eine einzelne gelungene oder misslungene Antwort beweist weder eine feste Fähigkeit noch deren Fehlen. Für eine spätere Einladung ist hilfreicher zu wissen, welche Anordnung, welche Zeit zum Nachdenken und welche Unterstützung dem Kind angenehm waren.
Eine Beobachtung für das nächste Mal
Falls Sie sich etwas merken möchten, genügt ein kurzer Satz: „Wir saßen nebeneinander; das Kind zeigte auf den Becher rechts vom Teller, während ich den Teller festhielt.“ Diese Notiz beschreibt eine konkrete Situation und die Hilfe, die verfügbar war. Sie sagt nicht, dass das Kind Richtungen in jeder Umgebung beherrscht oder dass es ohne die gleiche Unterstützung antworten muss.
Für ein weiteres Treffen können Sie eine kleine Veränderung wählen: andere Gegenstände bei gleichem Sitzplatz, denselben Aufbau von der gegenüberliegenden Seite oder ein Bild im Buch. Wählen Sie nur eine neue Schwierigkeit und behalten Sie etwas Vertrautes bei. Ein Ortswechsel im Zimmer ist nicht nötig, wenn er beschwerlich ist; auch die Anordnung auf einer zugänglichen Tischfläche kann verändert werden.
Weitere Ideen zum gemeinsamen Betrachten finden Sie im Beitrag Links und rechts beobachten. Wer eine kleine Geschichte bevorzugt, kann eine Figur auf einem Papierweg begleiten. Entscheidend ist jeweils die Frage, von welchem Platz oder aus welcher Fahrtrichtung die Seite beschrieben wird. Die Einladung darf kurz sein und muss nicht täglich wiederholt werden.
Räumen Sie gemeinsam auf, wenn das Kind mithelfen möchte, oder lassen Sie die Gegenstände für ein späteres Spiel liegen, sofern sie niemanden behindern. Ein abschließender Satz wie „Von unseren Plätzen aus stand der Becher links vom Teller“ hält die vereinbarte Perspektive fest. So bleibt aus der Erfahrung eine konkrete Aussage, die sich bei einem anderen Blickpunkt überprüfen und gegebenenfalls neu formulieren lässt.
Eine gemeinsame Skizze kann festhalten, wo Teller, Becher und Sitzplätze lagen. Zeichnen Sie die Blickrichtung als Pfeil ein und schreiben Sie gegebenenfalls „von hier aus“ daneben. Es muss keine maßstabsgetreue Karte entstehen. Das Kind kann die Zeichnung ergänzen oder die Gegenstände später selbst erneut aufstellen. Stimmen Foto, Skizze und Aufbau nicht überein, prüfen Sie zuerst, ob das Blatt gedreht wurde. Der Vergleich ist eine Gelegenheit, über Darstellungen zu sprechen, kein Grund, eine frühere Antwort nachträglich als falsch zu bewerten.
Hilfreiche Antworten
Ist links immer die Seite der Schreibhand?
Nein. Menschen schreiben mit unterschiedlichen Händen oder nutzen andere Schreibweisen. Die Körperseiten werden unabhängig von der bevorzugten Hand benannt.
Warum sagen zwei Personen beim Gegenübersitzen Unterschiedliches?
Sie betrachten die Anordnung aus entgegengesetzten Richtungen. Derselbe Becher kann aus einer Sicht links und aus der anderen rechts vom Teller stehen; der jeweilige Platz macht die Aussage verständlich.
Muss das Kind die Richtung aussprechen?
Nein. Zeigen, Blickrichtung, Bewegung oder ein Kommunikationsgerät können ebenfalls ausdrücken, welche Position gemeint ist. Wählen Sie eine Antwortform, die für das Kind zugänglich ist.
Kann man das ohne besondere Materialien spielen?
Ja. Ein Teller und zwei große sichere Gegenstände reichen aus. Auch eine Zeichnung oder ein Bild im Buch kann als Ausgangspunkt dienen.



